Frühjahr 2019: 

Liebe Unis, FHs und akademische Lehrgänge,

die Mittleren (AHS und BHS) haben euch Hohe überholt! Die Mitte zeigt, wo's langgeht im 21. Jahrhundert.  Maturanten müssen eine VWA (Vorwissenschaftliche Arbeit) oder Diplomarbeit abliefern. Und die ist gut strukturiert und spielt viele Stückerl. Erst mit einer positiven VWA erhalten Maturanten ihr Maturazeugnis. Wofür? Damit sie an Unis und FHs studieren können.

Und was macht ihr? Semester umd Semester wird Stoff gepaukt. Ein Aufbau methodischer und kritischer Kompetenzen - Fehlanzeige! Viel später erst gibt es zwei oder drei Seminararbeiten, die mit den VWAs und den Diplomarbeiten der Mittel-Schulen nicht mithalten können. Dennoch sollen - quasi über Nacht - die Studierenden eine gekonnte Bachelor- oder meisterliche Masterarbeit abliefern. Doch woher sollen sie das können?

Benennen wir’s: das ist Systemversagen auf breiter Basis!

  


 

 


 

Frühjahr 2019 / WhatsApp Chat / nach zweimaligem Verschieben und Stornieren eines Workshop-Termins: 

lieber Reinhard,
leider muss ich auch diesen Termin wieder verschieben bzw absagen. bin leider nicht voran gekommen mim schreiben. [...] Tut mir total leid für dieses herumgeschiebe des Termines. normalerweise bin ich da konsequent, aber ich kann mich leider gar nicht fokussieren und komm einfach nicht weiter mit dem Schreiben im Moment. 

hallo xxxx,
hab deine nachricht erhalten und termin storniert. Erfahrungsgemäß bringen solche aufschiebungen von masterarbeiten nichts. Meistens wirds von mal zu mal schlimmer, da man ja den faden verloren hat. Besser ist es, die arbeit in einem zug fertigzustellen.

Vielleicht ein hinweis: die phrase „schreiben einer arbeit“ wird zwar gebraucht, ist aber irreführend. Das forschen gleicht eher einem hausbauen oder aus einem block ein werk wie ein bildhauer herausmeisseln. Zu erheblichen teilen bist du eine künstlerin. die regeln einer forschungsarbeit fesseln einen nur scheinbar - in wirklichkeit eröffnen sie DIE räume für kreatives denken.

Liebe Grüße

 


 

 


 

Anfrage zur Verteidigung / Defensio / Disputation (Sommer 2018):

 

Meine Diss. wurde positiv bewertet, nun kommt die Verteidigung. Wie sieht eine Hilfestellung Ihrerseits bei der Vorbereitung auf die Disputation aus - auch in Hinsicht auf die Kritikpunkte der Gutachter?

 

[...] da ich die Kritikpunkte im Detail nicht kenne, kann ich nur Allgemeines sagen: 

  • Die Begründungen ergänzen und verstärken, den roten Faden herausheben (bzw. knüpfen, wenn dieser unterbrochen oder teilweise nicht vorhanden sein sollte), die Modelle und Methoden prägnant darstellen.

  • Da eine Disputation ein anderes Kommunikationsmedium (eben ein mündliches) ist als eine geschriebene Diss, coache ich Sie, auf diese spezifischen Kanäle/Kennzeichen zu achten (ohne den wissenschaftlichen Wert der Diss in Frage zu stellen, sondern eher zu verstärken).

  • Eine Tip-top-Präsentation als Basis vorlegen.

  • Die spezifische psychosoziale Situation vorab einschätzen (wie ist die Kommission zusammengesetzt, wer hat möglicherweise welche Meinung, welche Fragen könnten kommen)  und Sie auf diese sehr spezielle Situation vorzubereiten.

 Viele Grüße

 


 

 

 


 

Eine Anfrage aus 2012 -
diese Lebens- und Studien-Sackgasse ist nach wie vor weit verbreitet und damit hoch aktuell:

 

Ich bin derzeit in einer Lebenskrise und finde keine Lösung, wie es weitergehen soll. Ich bin Student und lebe in einer Beziehung seit etwa 2 Jahren. Ich habe 10 Jahre studiert und schreibe schon seit ca. 1,5 Jahren an meiner Diplomarbeit.

Mein Diplomarbeitsbetreuer hilft mir sehr wenig puncto Betreuung und vertröstet mich ständig mit seinen Terminen und gibt mir zusätzlich dass Gefühl, dass meine Diplomarbeit völlig unwichtig ist. Finanziell läuft es derzeit auch recht schlecht für mich. Meine Freundin macht mir auch schon Stress, ...

 

 

Aus meiner damaligen Antwort:

die beschriebene Situation ist häufig, falls es Sie tröstet. An den Unis gibt es zu wenig Geld, Zeit und Engagement für eine persönliche Betreuung. Das Verfassen einer akademischen Forschungsarbeit ist etwas anderes als Prüfungen zu absolvieren: Man braucht Motivation, methodisches Vorwissen, Übersicht über mögliche theoretische Hintergründe, eine effiziente Einteilung der Forschungsarbeiten, Analysieren und Darstellung im sachlich-objektiven Stil, usw. 

Aber um das Methodische zu erlernen, sind Universitäten da! Oft jedoch landet der Diplomand - allein gelassen - in einer Sackgasse. Mit negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, das Privat- und zukünftige Berufsleben. Der Zweifel frisst sich ein. Und das unnötig! Denn das Verfassen von akademischen Arbeiten ist einfacher zu erlernen als die meisten meinen.

Kopf hoch und die besten Wünsche 

 


  

2002: Studenten in Myanmar bei einer Prüfung in der Sprache Pali

2002: Buddhistische Studenten schreiben eine Prüfung zur klassischen Sprache Pali