Liebe Unis, FHs und akademische Lehrgänge,

die Mittleren (AHS und BHS) haben euch Hohe überholt! Die Mitte zeigt, wo's langgeht im 21. Jahrhundert.  Maturanten müssen eine VWA (Vorwissenschaftliche Arbeit) oder Diplomarbeit abliefern. Und die ist gut strukturiert und spielt viele Stückerl. Erst mit einer positiven VWA erhalten Maturanten ihr Maturazeugnis. Wofür? Damit sie an Unis und FHs studieren können.

Und was macht ihr? In den ersten und auch mittleren Semestern wird Stoff gepaukt und Wissen reingedrückt. Ein sukzessiver und weiterer Aufbau methodischer und kritischer Kompetenzen - Fehlanzeige! Sehr viel später erst gibt es zwei, drei Seminararbeiten, die umfangmäßig zumeist mit den VWAs und den Diplomarbeiten der Mittel-Schulen nicht mithalten können. Pädagogisch, didaktisch beim Aufbau kritischer Kompetenz für eure Studenten steckt ihr noch tief im frühen 20. Jahrhundert. Denn urplötzlich sollen eure Studenten eine reife Bachelor- oder meisterliche Masterarbeit abliefern. Doch woher sollen sie das auf einmal können?

Benennen wir’s richtig: hier gibts ein Systemversagen auf breiter Basis, ein Nichtgenügend!

Frühjahr 2019 


 


lieber Reinhard,
leider muss ich auch diesen Termin wieder verschieben bzw absagen. bin leider nicht voran gekommen mim schreiben. [...] Tut mir total leid für dieses herumgeschiebe des Termines. normalerweise bin ich da konsequent, aber ich kann mich leider gar nicht fokussieren und komm einfach nicht weiter mit dem Schreiben im Moment. 

hallo xxxx,
hab deine nachricht erhalten und termin storniert. Erfahrungsgemäß bringen solche aufschiebungen von masterarbeiten nichts. Meistens wirds von mal zu mal schlimmer, da man ja den faden fast vollständig verloren hat. Besser ist es, in einem zug sie fertigzustellen.

Vielleicht ein hinweis: die phrase „schreiben einer arbeit“ wird zwar gebraucht, ist aber schwer in die irre führend. Das forschen gleicht eher einem hausbauen oder aus einem block ein werk wie ein bildhauer herausmeisseln. Zu erheblichen teilen bist du eine künstlerin. die regeln einer forschungsarbeit fesseln einen nur scheinbar - in wirklichkeit eröffnen sie DIE räume für kreatives denken.

Liebe Grüße

Frühjahr 2019 / WhatsApp Chat / nach zweimaligem Verschieben und Stornieren eines Workshop-Termins


 

 


Eine Anfrage aus 2012 - diese Lebens- und Studien-Sackgasse ist nach wie vor weit verbreitet und damit hoch aktuell:

Ich bin derzeit in einer Lebenskrise und finde keine Lösung, wie es weitergehen soll. Ich bin Student und lebe in einer Beziehung seit etwa 2 Jahren. Ich habe 10 Jahre studiert und schreibe schon seit ca. 1,5 Jahren an meiner Diplomarbeit.

Mein Diplomarbeitsbetreuer hilft mir sehr wenig puncto Betreuung und vertröstet mich ständig mit seinen Terminen und gibt mir zusätzlich dass Gefühl, dass meine Diplomarbeit völlig unwichtig ist. Finanziell läuft es derzeit auch recht schlecht für mich. Meine Freundin macht mir auch schon Stress, ...

 

Aus meiner damaligen Antwort:

die beschriebene Situation ist häufig, falls es Sie tröstet. An den österreichischen Unis gibt es zu wenig Geld, Zeit und Engagement für eine persönliche Betreuung von Diplomanden. Das Verfassen einer akademischen Forschungsarbeit ist etwas ganz anderes als Prüfungen zu absolvieren: Man braucht Motivation, methodisches Vorwissen, Übersicht über mögliche theoretische Hintergründe, Einteilung der Forschungsarbeiten, Analysieren und Darstellung im sachlich-objektiven Stil. 

Aber um das Methodische zu lernen, sind ja Universitäten und Hochschulen da! Oft jedoch landet der Diplomand - allein gelassen - in einer Sackgasse. Mit vielen negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, das gegenwärtige Privat- und das zukünftige Berufsleben. Ein Zweifel frisst sich tief ein. Und das unnötig! Denn das Verfassen von akademischen Arbeiten ist einfacher zu erlernen als die meisten meinen.

Kopf hoch und die besten Wünsche 


  2002: Studenten in Myanmar bei einer Prüfung in der Sprache Pali

2002: Buddhistische Studenten schreiben eine Prüfung zur klassischen Sprache Pali