Wie lockt man Menschen?

  • durch Sex,

  • durch Crime (bei anderen),

  • beides kombiniert in einer dramtischen Rahmengeschichte verpackt.

Die jüdischen Schreiber vor knappn dreitausend Jahren wandten das Rezept ausgiebig an. Das ist möglicherweise auch einer der Gründe, warum die Bibel zum meistgedruckten Buch geworden ist. Nehmen wir eine Erzählung vom Anfang, aus der Genesis: wenn [Onan] zur Frau seines Bruders einging, dass er den Samen auf die Erde fallen und verderben ließ“ (Mose 38, 8-10,*).

 

In heutige nüchterne Sprache übersetzt, heißt das: Als Onan mit der Frau (Tamar) seines Bruders schlief, zieht er vor dem Höhepunkt das Glied aus der Scheide und ejakuliere auf den Boden. Wir befinden uns mitten im Geschehen: Geschlechtsverkehr mit der Schwägerin wäre auch heute heikel – da droht Ungemach. Unter bestimmten Umständen aber war es nicht nur erlaubt, sondern sogar ein Muss. Etwa, wenn der Bruder gestorben war. Gemäß jüdischem Stammesgesetz hätte Onan dann mit Tamar schlafen müssen.

 

Warum? Der Zweck ist der gleiche wie in den meisten Diktaturen. So verkündete 1939 SS-Reichsführer Himmler im berühmten Zeugungserlass, dass Recht und Pflicht deutscher Männer sei, Nachkommen zu zeugen. Und zwar auch mit mehr (!) als nur einer Frau gleichzeitig. Aus der Rassenideologie der NS-Zeit war einsichtig, dass das auserwählte Volk größer und damit deren herrschende Elite stärker werden müsse.

 

Weibliche Figur an einer Quelle (Wien, Türkenschanzpark)

 

Onan dürfte als Mann die Freuden des geschlechtlich-sinnlichen Tuns mit Tamar genossen haben. Dem rassenideologisch motivierten Zweck des Treibens aber verwehre er sich, indem er Coitus interruptus praktiziert und den Samen am Boden vertrocknen ließ. Wieder ehrenhaft, dieser Onan.

 

Dummerweise hat er damit die Chancen auf eine Karriere des wenig bekannten, aber ehrgeizigen Stammesgottes Jachwe verletzt. Sein Volk darf ja nicht klein bleiben - Jachwe wäre aufgrund eines kleinen Volkes unbedeutend geblieben. Also „slew“ dieser Stammesgott Onan, er tötet ihn. Die englische St.-James-Bibel beschreibt die Tat durch das Verbum slew (slay, slew, slain = erlegen) realitätsnäher als die üblichen deutschen Übersetzungen. Letztere verschleiern das Umbringen Onans im niedlichen Nebel eines scheinbar passiven Geschehens: „[der HERR] ließ auch ihn sterben“**). Wie gekonnt doch übersetzende Theologen moralisch bedenkliche Stellen verschleiern. Politisch korrekt.

  

Strafrechtliche und dramaturgische Überlegungen

 

Mord ist in heutigen westlichen Demokratien das schwerste Delikt des Strafrechts. Gemäß § 75 des österreichischen Strafgesetzbuch (StGB) bekäme dieser jüdische Stammesgott lebenslänglich, zumindest zehn bis zwanzig Jahre Gefängnis. Da dieses Wesen aber schon vorher (!) aus nichtigem Anlass den Bruder von Onan getötet und so Tamar zur Witwe gemacht hatte, würden heutige Richter ihn wohl lebenslänglich hinter Gitter bringen. Schließlich hat die Öffentlichkeit das Recht, vor Wiederholungstätern geschützt zu werden. 

 

Dieser Stammesgott hatte das nicht zum ersten Mal getan. Er war es, der den Mann von Tamar getötet hatte. Ist doch verständlich, dass Tamar, die miterlebe, wie sowohl ihr Mann als auch ihr Schwager von einem irrlichternden Wesen umgebracht worden ist, sich fürchtet. Sie flieht zu ihren Eltern und verlässt nicht mehr das Haus.

 

Weiter gehts mit Elementen eines Actiondramas: Tamar in der Doppelrolle als brave Tochter und Prostitutierte, Sex zwischen Schwiegervater und Schwiegertochter, drohender Tod durch Verbrennen, Kampf um das Erstgeburtsrecht.

 

 

Betrachten wir die biologischen Vorgänge dieser biblischen Sex-and-crime-Story. Aus evolutionärer Sicht geht es um Sex zwischen Landbewohnern. Hört sich einfach an, ist es nicht. Die Reproduktion im Meer ist einfach. Eier und Samen werden – möglichst zur gleichen Zeit und nahe beieinander - dem Wasser überlassen. In flüssiger Umgebung finden sie zueinander. Mit dem Aufs-Land-Kriechen der Vielzeller verändert sich die Welt dramatisch. Sonne, Luft, Wind, Hitze und Kälte wirken wesentlich intensiver. Ungeschützt vertrocknen Ei und Samen (was Onan viele Millionen Jahre später weiß). 

 

Das Aufs-Land-Gehen führt zu einer Umwandlung unserer Fisch-Ahnen, sie werden zu Erde-Luft-Wesen. Sie legen sich eine dritte (ledernde) Hautschicht zu, schirmen sich mit Fett ab, entwickelten Haare als zusätzlichen Schutz. Im Grunde erfinden sie einen Weltraumanzug. So wie die Astronauten des 20. Jhts. behalten unsere Urahnen ihre traditionelle wässrige Lebenswelt im Inneren bei. Noch heute entspricht der Mineral- und Salzgehalt unserer Körperflüssigkeiten (also im Inneren des Luftanzuges) einem etwas milderen Meerwassers. So wie das Meer vor 420 Millionen Jahren war.

 

Diese Umwandlung aber erzeugt ein Problem: Wie vermehren sich zwei Wesen in abschirmenden Luftanzügen? Cyber-Sex ist noch nicht erfunden worden. Wie schaffen sie diese nun gekapselten Wesen, dass Samen und Ei in gewohnt flüssiger Umgebung aufeinander treffen? Unterschiedliche Arten erfinden Unterschiedliches: Schnecken jagen Samenspeere in das Gewebe der anderen Schnecke. Vögel reiben ihre Abfall-Öffnungen (die Kloaken) aneinander. Wahrscheinlich zählen wir zu den Glücklichen: Unsere Vorfahren erfanden einen genialen Brückenmechanismus. Sie entwickelten Kupplungsorgane mit allem begleitenden intensiven Gefühlsstürmen - Penis und Vagina.

 

Kuppelnde Mechanismen fordern Preis. Sie verändern im Laufe der Generationen das Verhalten der Geschlechter. Ist es anfangs wichtig gewesen, sich überhaupt fortzupflanzen, tritt nun eine neue, alles entscheidende Wahl in den Mittelpunkt der reproduktiven Geschehens: Wer mit wem. Die erlaubte und erwünschte Kopplung ermöglicht eine zielgenaue Auswahl der besseren Gene. Diese Kupplung von Penis und Vagina führe so zum – oft seltsam erscheinenden – unterschiedlichen strategischen Verhalten von Frauen und Männern.

 

Reinhard Neumeier, Februar 2014

 

PS: Der jüdische Feuer- und Stammesgott muss vieles richtig gemacht haben, hat er doch eine beachtliche Karriere hingelegt. Weltweit sehen rund eineinhalb Milliarden Menschen in ihm den Universalgott – allmächtig, allwissend und allgütig. Um so zu einem Allgütigen zu werden, muss sich sein Charakter positiv entwickelt haben. Vielleicht schämt er sich der Taten in seiner Pubertät? Hat er es  gar geschafft, sie zu bereuen?

 

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*) Elberfelder Bibel**) beispielsweise die Zürcher Bibel, ähnlich die Einheitsübersetzung