Ich baue ein Haus: Stelle zuerst die Mauern auf, breche dann Löcher, um Türen und Fenster einzufügen. Dann werden die ersten zwei  Stufen für einen Kellerabgang betoniert. Hurra, ich baue ein Haus. Aber ohne Plan! Ich weiß noch nicht, ob es ein Einfamilienhaus oder ein vierstöckiges Bürogebäude werden soll. 

Klar, ich werde scheitern. Das Fundament wird zu klein oder zu groß sein, in ein fertiges Einfamilienhaus werden Großraumbüros nicht hineinpassen. Nachträgliche Änderungen werden Zeit, Energie und Geld kosten.

Für das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten gilt das Gleiche. Ich brauche einen durchdachten, detaillierten Plan. Allein nur ein Thema zu haben und dann gleich mit dem Schreiben zu beginnen, wird zum Scheitern führen. Ein Plan beinhaltet nicht nur das Thema, sondern stellt auch die Fragen: Was ist das Erkenntnisinteresse, welche Forschungsfragen oder Hypothesen lassen sich aus dem gestellten Problem ableiten? Wie wird daher das Untersuchungsdesign aussehen, welche Theorie und welche empirischen Methoden wähle ich?

 

 

Viele Studenten suchen einen ‚netten’ Betreuer, einen, der keine großen Anforderungen stellt. Einer, der sagt: “Fangen Sie mal an“. Das ist ein gefährliches Spiel. Denn auch die netten Betreuer werden danach beurteilt, welche Qualität ihre betreuten Arbeiten  letztendlich haben.

Das hat zur Folge, dass diese Betreuer nur anfangs unkompliziert scheinen. Sie werden ihre Anforderungen im Zuge der Betreuung in die Höhe schrauben, in der bösesten Varianten erst nach der Abgabe. So führt dieses Vabanque-Spiel häufig dazu, dass die Arbeit insgesamt oder große Teile davon zurückgewiesen werden, wenn nicht der Diplomand mangels Betreuung ohnehin in einem Meer von Fachliteratur und Methodenvielfalt untergegangen ist.

Conclusio: Ein durchdachtes und gemeinsam erarbeitetes Exposé ist die Voraussetzung für eine effizient verlaufende Forschungsarbeit.

 

Reinhard Neumeier, Jänner 2018

 

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