Zu Silvester schauen wir zwar hauptsächlich ins neue Jahr und haben positive Vorsätze. Zwischendurch bleibt gelegentlich Zeit, aufs vergangen Jahr und den eigenen Erfahrungen zurückzublicken. Zu runden Zehner-Geburtstag drängen uns Feste wie den 40er, 50er oder 60er auf, die vergangenen zehn Jahre kurz mal näher zu betrachten und zurückzusehen.
 
Bei großen Änderungen im Leben, etwa der Pensionierung, liegt das bis jetzt gelebte Leben mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten da - eine kaum wegschiebende Bilanz liegt vor einem. Diese Ereignisse, die auf eine bestimmte Art eine Zwischenbilanz ziehen, haben großes Potenzial. Vor oder nach diesen prägnanten Ereignissen könnte der Schatz an positiven und negativen Lebenserfahrungen gehoben werden. Die bewusst gemachten Erfahrungen enthalten kennzeichnende Hinweise zur eigenen Person.
 
 
 
 
In diesen Gesprächen geht es sowohl um tief sitzende Gefühle als auch um wesentliche Knoten und Nester. Knoten zeigen jene dynamische Zeiten, die mit entscheidenden Weichenstellungen einhergingen. Nester bieten Schutz zur Reifung, Weiterentwicklung oder einfach nur so zum Leben in Form ruhiger Zeiten eines dahinströmenden Lebens. 
 
Niemals das eigene Leben betrachten, birgt Gefahr: Im Falle eines immer möglicher Auftretens einer schweren Krankheiten oder Unfalles stehen wir wenig geschützt und vielleicht verloren  am Abgrund großer Verständnislosigkeit. Aber nicht nur katastrophale Großereignisse beeinflussen unser Lebensgefühl, auch Knoten wie Hochzeit, Geburt eines Kindes  oder Start in einem neuen Beruf sind dominierende Knoten-Ereignisse. 
 
Leider bieten nur wenige Psychologen lebensgeschichtliche Erzählungen an (auch Lebensrückblicktherapie oder Life Review genannt). Aber vielleicht erzählen Sie dem besten Freund, der besten Freundin ohnehin das Wichtige aus Ihrem Leben. Und besprechen das und philosophieren darüber im Nachhinein. Das ist auch eine gute Alternative. Grundmuster im Leben können so sichtbar werden und mit vergangenen unglücklich ausgegangenen Entscheidungen kann man sich eventuell mit der Zeit versöhnen. 
 
 
Reinhard Neumeier, Jänner 2018
 
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