Sie drohen, stampfen in den Boden und knallen mit den Schädeln zusammen oder sie spreizen Ihre bunten Federn und führen grazile Tänze auf – sie, die Kerle. Kommt, ihr Frauen, und seht, was ich kann! Ich hab die größten Muskeln, ich das schickste Auto und ich kenne die Welt! So läuft  die Leistungsschau der Männer. 

 

Egal, ob Säugetiere oder Vögel: Männliche Tiere müssen im intensiven Wettbewerb bestehen. Und die scheinbar desinteressierten, aber genau hinschauenden weiblichen Wesen sagen: Du nicht! Du schon! Auserwählten gewähren sie Eintritt ins Paradies. Teuer erkaufen sich die männlichen Wesen diesen Eintritt. Viele verlieren dabei ihr Leben. Sex nennen wir das männliche 'Reinkommendürfen' in Frauen. Sex ist das Preisgeld für siegreiche Männer, ausbezahlt in emotionalem Feuerwerk und kurzer körperlicher Wonne.

 

Männer kämpfen, Frauen wählen. Male competition und female choice nennen das die Soziobiologen, Gladiatorenkampf für Männer und Daumen-hoch oder Daumen-runter von Frauen. Warum nur gibt es diese fundamentalen Unterschiede? Die Ökonomen wird es freuen: Das Gesetz von Angebot und Nachfrage regelt das biologisches Geschehen seit Urzeiten.

 

 

 

In der Reproduktion, in der Weitergabe der Gene an die nächste Generation machen Frauen ein hochattraktives Angebot und bieten ein Vielfaches von dem, was Männer offerieren. Menschliche Frauen lassen den Nachwuchs in ihrem Körper neun Monate heranwachsen, gebären das Kind und stillen es monate- oder jahrelang. Sie kümmern sich emotional um das Kind, zehn Jahre, zwanzig Jahre, vielleicht ein ganzes Leben lang. Was für eine riesige Investition! Einen Klacks hingegen bieten Männer: Einige Eiweißfäden. Eine einzige erfolgreiche, zur Eizelle vorgedrungene Samenzelle reicht, um die männlichen Gene in die nächste Generation zu bringen.

 

Darum wuseln Männer um Frauen herum, darum halten Frauen sich vornehm zurück. Der Mann kann nichts falsch machen: Kriegt er Sex, hat er zusätzlich zum Spaß die einmalige Chance, dass Frau sein Kind austrägt und aufzieht. Mann kann dann verschwinden und es woanders wieder probieren. Greift sich Frau hingegen einen Falschen, so büßt sie jahrzehntelang. 

Daher finden sich aus biologischer Sicht Frauen und Männer in entgegengesetzten Positionen wieder. Jedes Geschlecht hat deshalb seine speziellen Strategien entwickelt. Strategien, die konträrer zu denen des anderen Geschlechts nicht sein könnten: Ein soziales Netz aufbauend und vorsichtig abwartend die Frauen; andere tendenziell übergehend und bluffend die Männer. Die weiblichen Strategien beruhen auf Übersicht, Ruhe und Qualität, die der Männer auf Hektik, Ankommen und Quantität.

 

Wer über seinen bisherigen und zukünftigen Lebensweg nachdenkt, sollte diese unterschiedliche Strategien kennen. Täter und Opfer dieser Strategien ist er/sie bereits unzählbar oft geworden. 

 

Reinhard Neumeier, März 2014

 

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