Wirkt Pornographie?
Zu Online-Verhalten und Paar-Beziehungen

Wer sich dieses spannende Thema für die Masterarbeit aussuchte, soll anfangs erkunden, was bisher bekannt und erforscht wurde. Er oder sie recherchiert in der Fachliteratur, in Büchern, Fachartikeln, im Web, in speziellen Datenbanken. Der Forschungsstand will ermittelt werden. Sonst müsste er/sie bei Adam und Eva anfangen. 

Nach dem Eingeben von Suchbegriffen erhält man eine Trefferliste. Ein Element dieser Trefferliste besteht in der Regel aus dem Titel, den Autoren, dem Jahr der Publikation, einigen Sätzen aus dem Abstract. Jetzt heißt es, Passendes aus der Trefferliste auszusuchen, denn die Liste ist oft viele Seiten lang.

 

 

Nur - wonach auswählen? Das Auswählen spiegelt ja die Einschätzung der jeweiligen Quelle auf Basis Form, Inhalt und Aktualität wider: Ist das aufgefundene Buch oder der Artikel wissenschaftlich seriös oder vielleicht ein Exemplar aus der unüberschaubaren  oberflächlichen und von ungeprüften Glaubenssätzen durchdrungenen Ratgeber-Literatur?  

Die meisten meiner Klienten selektieren anfangs zuerst nach dem Inhalt und sind beglückt, wenn die aufgerufene Quelle inhaltlich jenes widergibt, was sie schon kennen. Und laufen in die Falle des Bestätigens der eigenen Meinung und mithin der Verstärkung des persönlichen Teilwissens oder dessen Verzerrungen.

Liest sich etwas auf dem ersten Blick überzeugend und plausibel, heißt es in der Regel, es entspricht den eigenen Vorstellungen und Überzeugungen. Wissenschaft jedoch bedeutet das Erkennen und Verstehen anderer Sichtweisen.

Kein Zweifel, mit dem Inhalt anzufangen, ist ein uneffektiver Weg, der rasch in eine Sackgasse führt. Besser ist es, zuerst die Form zu analysieren: 

  • Gibt es ein verständliches Abstract?
  • Zeigt das inhaltsverzeichnis eine Gliederung, die bereits den groben Argumentationsfaden erkennen lässt?
  • Gibt es überhaupt ein Literaturverzeichnis und wie aktuell ist es, welche Quellen werden genannt?

Erst nach einer Auswahlrunde hinsichtlich der Form ist es sinnvoll, Inhalte anzusehen. Aus psychologischer und verhaltensorientierter Siicht bedeutet eine solche Vorgehensweise, Abstand zu nehmen, einen Schritt zurück zu tun.

Der Vorteil eines solchen Schrittes-Zurück bei der Nutzung sozialer Medien wird im Folge-Essay beschrieben.

Reinhard Neumeier, März 2018

 

Zur nächsten Folge dieser Essay-Reihe.

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