Je hastiger wir lesen, umso weniger verstehen wir. Ein Schnell-Lesekurs lehrt, Zeit einzusparen. Man kann nun wie ein ICE-Zug mit 300 km/h durch die Buchstaben jagen. Das gleicht jenem Theatersouffleur, der den Schauspielern eines schönen Tages doppelt so schnell Rollentexte vorspricht als üblich. Entweder rasen nun die Akteure ebenfalls auf der Bühne herum und die Zuschauer verstehen das Stück nicht mehr - und werden dieses Theater nicht mehr besuchen, der die Schauspieler ignorieren den rasenden Souffleur und improvisieren.
 
 
Unter Druck dieselbe Menge an Wörtern schneller zu lesen, ist lernpsychologisch ein Unsinn. Das Forcieren der bloßen Geschwindigkeit verhindert das Verstehen. Assoziationen werden im Gedächtnis weder hervorgekramt noch elegt. Der rasende Leser gibt seinem Gedächtnis keine Zeit. Das Ergebnis wird daher ein geringes langfristiges Erinnerungsvermögen des Gelesenen sein.

 

.

 

Deutlich besser als alles schneller lesen zu wollen ist, intelligent Ausgewähltes zu lesen. Hier kommt man durch die Auswahl interessanter Teile und durch ein Vermeiden des Füllstoffes besser voran. Zum Beispiel durch die Methode des Zwei-Schritte-Diagonallesens = Überfliegendes Querlesen + Probebohrungen.

 

Wenn man schon weiß, worum es thematisch im Text  geht, man dies angereichert um spezifische Details oder herausragenden Wissensstücken ("Diamanten") wissen will, so kann man so vorgehen: Die Seiten innerhalb eines Kapitels diagonal von links oben nach rechts unten überfliegen. Findet das Auge ein interessantes Wort oder eine auffällige Wortgruppe, dann um diese Fundstelle konzentrisch kreisförmig lesen, um den Inhalt dieses Fundes zu verstehen und einordnen zu können. Manchmal findet man nichts, manchmal belohnt eine einprägsames Beispiel oder Detail. Rückwirkend werden nun vorherige thematische Schlüsselstellen verständlicher  oder besser im Gedächtnis verankert.

 

Natürlich gilt: Je geübter Sie sind oder je mehr fachliches Vorwissen vorhanden ist, umso besser funktioniert das. Ein großes Netz zum Einordnen und Speichern ist ja bereits da. Ebenso gilt: Mit dieser Methode eines selektiven Lesens findet man nicht zu 100 % alle relevanten Stellen. Aber es ist oft besser, Abschnitte und Kapitel durch überfliegendes Lesen zu verstehen als gar nicht. Und damit viel Zeit einzusparen.

 

Die beschriebenen Methoden eines effizienten Lesens widersprechen den Lesemustern, die wir in der Grundschule eingeübt haben. Diese Muster machen anfangs Sinn und als Basis für später. Ein lineares Alleslesen kann für manche Zwecke viel zu aufwändig, eventuell sogar hinderlich sein. Effizienz beim Lesen heißt, einen Werkzeugkasten verschiedener Lesemethoden zur Verfügung zu haben und die einzelnen Werkzeuge zweckgerecht anwenden. 

 

Reinhard Neumeier, August 2010
 
 
Zurück zur Übersicht Methoden.

Zurück zur Startseite.