De Wöd steet auf kan Foi mea lang! *) 

 Refrain des Kometenlieds aus 'Der böse Geist Lumpacivagabundus' des Wiener Komödieantendichters Johann Nestroy, 1833

Noch vor Wochen hatte man eine - unter viel Mühe und Schweiß und über viele Monate gestrickte - Arbeit abgegeben oder sogar hochgeladen. Und anfänglich stolz, später vielleicht mit erstem Zittern auf die Antwort gewartet. Doch anstatt einer glückwünschenden Antwort kommt eine schallende Ohrfeige! 

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Der Boden scheint unter den Füßen weggezogen, virtuelle oder tatsächliche Tränen können (und sollen sogar) fließen. Denn die Zurückweisung der wissenschaftlichen Arbeit wird nahezu immer als Zurückweisung der eigenen Person empfunden. Nicht wissenschaftlich, selbst nicht gut genug und das Studium sogar umsonst gewesen? Das Selbstwertgefühl ist schwer beeinträchtigt. Der herabstürzende Urteils-Komet des Gutachters (Betreuers) beschädigt die Welt des Diplomanden. 

 

Doch ist es meist weniger schlimm, als im ersten Moment angenommen. Kaum jemand braucht bei Null anzufangen. Das Überarbeiten ist  leichter als gedacht. Ja, wenn man allerdings weiß, wie.

 

Fast alle zurückgeschmissenen Arbeiten lassen sich mittels systematischer Konzepte zerlegen und neu zusammensetzen. So zum Beispiel kann der – zeit- und energieaufwändige – empirische Teil neu (aber nun tiefgründig und methodisch seriös!) analysiert werden. Viele Arbeiten lassen sich „rückwärts genäht“ aufgrund neuer Erkenntnisse wieder ordnen, die ursprünglich selektierten Theorien neu justieren, an die wissenschaftstheoretische Auffassung des Betreuers anpassen, etc.

Viele Jahre Erfahrung im Revidieren zunächst missglückter Arbeiten zählen – einfach tief durchatmen und mich anrufen!

 

Reinhard Neumeier

August 2018

 

 

 *) Wienerisch für den Refrain "Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang!" Es geht um den befürchteten Weltuntergang durch einen herabstürzenden Kometen.